Wegewart aus Leidenschaft – Wanderlust als Generationenfrage

Festes Schuhwerk, eine lange Hose und eine knallgrüne Jacke – die drei Menschen, die voraus durch das Dickicht stapfen, sind nicht nur gewöhnliche Wanderer. Am Morgen hat es noch geregnet, doch nun scheint die Sonne durch das Blätterdach. Taucht das satte Grün in die verschiedensten Farbtöne und schenkt den Menschen festen Boden unter den Füßen – und das alles, während die Wegewarte Maria Haß, Adi Pfau und Uwe Steiner eigentlich am Arbeiten sind.

Treffpunkt ist der Parkplatz am Kupferhammer – von da aus gehen nämlich die drei größten Wanderrouten im Schwarzwald ab: der Ostweg, der Mittelweg und der Westweg, der in diesem Jahre 125 Jahre wurde. Hauptprotagonisten sind dabei die Wegewarte Maria Haß, 75 Jahre alt, ihr Lebensgefährte Adi Pfau, 70 Jahre alt, und Uwe Steiner, der „Jungspund“, wie Pfau gerne witzelt mit seinen 66 Jahren. Und bei den Jahrgängen fällt eins auf: Wegewart zu sein, bedeutet nicht nur durch den Wald zu laufen und seine Aufgaben zu erledigen, für die Menschen ist es ein volles Sportprogramm. „Man muss schon eine Grund-Fitness mitbringen. Wir sind aber auch sportlich vorbelastet“, berichtet Steiner und was die drei gemacht haben lässt sich sehen: Marathon, Extrem- und 24-Stunden-Wanderungen – bis zu 126 Kilometer kann so eine Strecke dann auch mal gehen. Langweilig wird sowas aber nicht, ein beinahe meditative Wirkung haben diese Herausforderungen. Besonders nachts: „Da sieht man halt auch nichts. Dabei geht es rein um den Sport – und darum, den Kopf frei zu kriegen“, sagt Pfau.

Rauten und Routen

Wenn man sich die Wegweiser und auch die Standortschilde mal anguckt, sieht man nicht nur den Ort und die Kilometeranzahl, sondern auch kleine, farbige Formen. Kleine Rauten, um genau zu sein. Die, sollte man sich die Wanderschuhe mal binden wollen, ganz schön hilfreich und wichtig für das große Abenteuer sind. Die farbigen Rauten des Schwarzwaldvereins dienen nämlich als einheitliches Leitsystem für Wanderer und signalisieren die Art und Bedeutung der Wege. Die rote Raute kennzeichnet überregionale Fernwanderwege wie den Westweg (Pforzheim–Basel), den Mittelweg (Pforzheim–Waldshut) und den Ostweg (Pforzheim–Schaffhausen). Diese Wege sind meist mehrtägige Touren und verbinden große Orte im Schwarzwald. Die blaue Raute markiert regionale Wanderwege, die mittlere Strecken zwischen Orten abdecken und oft als Tageswanderungen genutzt werden. Sie dienen zur Verbindung von Orten und verlaufen quer zu den Hauptwegen oder verbinden diese untereinander. Und zu guter Letzt die gelbe Raute, sie zeigt lokale Wanderwege an, die kürzere, ortsnahe Strecken oder Rundwege darstellen. Diese Wege führen häufig zu Aussichtspunkten, Sehenswürdigkeiten oder sind Rundwanderwege und werden vor allem von Tageswanderern und Spaziergängern genutzt. Die Rauten sind an Bäumen, Pfosten oder anderen festen Objekten angebracht und werden in regelmäßigen Abständen wiederholt, um Wanderern die Orientierung zu erleichtern.

Das Problem mit dem Alter

Haß und Pfau sind für den Schwarzwaldverein Brötzingen unterwegs – Steiner für die Baden gruppe. Doch trotz der gleichen Organisation, aber den unterschiedlichen Untergruppen ist allen drei ein Thema im Sinn, was ihnen große Bauschmerzen gibt: Das Thema mit dem Nachwuchs. „Die Angst sitzt uns im Nacken“, sagt Steiner, denn junge Leute gibt es fast gar nicht im Schwarzwaldverein, vor allem keine, die Verantwortung übernehmen wollen. „Unter 50 gibt es keine und in der Altersklasse 50 bis 60 wenig. Zwischen 60 und 70 sind es dann wieder viele und mit 75 bin ich die älteste Frau hier“, schildert Haß die Situation im Verein.

Das sei zwar nicht nur bei ihnen so, aber besonders beim Wandern gebe es einen großen Umdenkungsprozess. Wanderungen, die früher um 9 Uhr begonnen haben, könnten nun erst ab 10.30 Uhr anfangen: „Du kannst morgens keine Wanderungen mehr anbieten“, sagt Steiner, „da kommt ja keiner.“ Auch was das Rahmenprogramm angeht, müsse umgedacht werden. Die jüngere Generation wolle nicht mehr zu Mittag essen, sondern sitzt lieber abends zusammen. Für Pfau ist klar: Da muss sich etwas tun. So gehen sie gezielt die 40+-Jährigen an, denn diese haben meist Kinder und haben die Familienplanung bereits abgeschlossen – und somit Zeit, sich in einem Verein zu engagieren. Dafür gebe es in den Vereinen eigens ins lebengerufene Familienwandergruppen, so die Wegewarte. Außerdem würde viel Wert auf Erlebniswanderungen, wie Extrem- oder Nachtwanderungen, gelegt werden.

Was sind Wegewarte überhaupt?

Grundaufgabe der Wegewarte im Schwarzwaldverein ist es, ihre Gebiete sauber und ordentlich zu halten. Dafür entfernen sie beispielsweise Äste und umgestürzte Bäume, die auf den Wanderwegen liegen. Sie halten die Standortschilder sauber und dokumentiere Missstände, die dann an andere Ämter und Zuständigkeiten weitergeleitet werden. Besonders wichtig ist hierbei die Lesbarkeit der Schilder und Rauten, denn nur so finden sich die Wanderer und vor allem auch die Rettungskräfte und das Technische Hilfswerk im Wald zurecht. Die Wegwarte begehen etwa zwei Mal jährlich alle ihre zugeteilten Wege, bei Bedarf oder Meldungen von Schädigungen und Auffälligkeiten auch öfter. Besonders werden diese im Frühjahr und Herbst angeguckt, da dort die meisten Verschmutzungen und Verwachsungen der Wanderwege entstehen. Mit im Gepäck ist ein großer Rucksack, indem alles Brauchbare enthalten ist. Unter anderem auch eine kleine Kettensäge. Bäume bis zu 25 Zentimeter Durchmesser können die Wegwarte damit zerschneiden. Für größere Pflanzen müssen sie das Forstamt informieren. Dafür auch hilfreich ist die erforderliche Fitness, die von dem Wegewarten verlangt wird. Und neben der Tätigkeit der Wegepflege sind sie auch Wanderführer und zum Teil auch Hüttenführer. So kümmern sie sich oft auch um die Waldhütten, die Bewirtung und die Unterkunft für potenzielle Wanderer. Und wie wird man Wegewart? Man muss sich auf jeden Fall in einem Verein, wie dem Schwarzwaldverein, beteiligen und kann sich bewerben. Meist bricht ein alter Wegewart weg und man kann sich ganz einfach aufstellen und gewählt werden.

Text: Marie Melson | Fotos: Lucas Röhr (Pforzheimer Zeitung)

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